Wasser erwärmen? Was wirklich funktioniert – und was nicht.
- Stefan Schödel

- 2. Juni
- 5 Min. Lesezeit
Dieser Artikel richtet sich an Gemeinden, die vor Ort keinen Warmwasseranschluss haben. Wer das Glück hat, Warmwasser direkt aus der Leitung ins Becken leiten zu können, braucht diesen Artikel nicht – das ist schlicht die beste aller Lösungen. Für alle anderen geht es hier weiter.

Vorab: Wie warm muss das Wasser eigentlich sein?
So warm wie nötig und so kühl wie möglich.
So warm wie nötig: Sehr kaltes Wasser kann gerade bei älteren Geschwistern den Kreislauf belasten und zum echten Problem werden. Der kurze Schreckmoment für alle Beteiligten, den wir in einem Winter selbst schonmal erlebt haben, muss wirklich nicht sein. So kühl wie möglich: Der gut gemeinte Gedanke, den Täuflingen etwas Gutes zu tun und das Wasser schön warm zu machen, kann nach hinten losgehen. Wer aus einem zu warmen Becken heraussteigt und dann warten muss – ob für Gebet, Segnung oder weil noch andere Täuflinge an der Reihe sind – fängt schnell an zu zittern. Nicht weil das Wasser kalt war, sondern weil der Temperaturunterschied zur Umgebungsluft (insbesondere im Winter!) zu groß ist. Wir empfehlen daher 20 bis 22 °C – das trifft beides: für jeden Täufling erträglich und gleichzeitig kühl genug, damit der Moment nach der Taufe nicht zur Zitterpartie wird.
Die Physik lässt sich nicht austricksen
Jetzt zur Technik – und zuerst zur Physik, denn sie erklärt, warum so viele gut gemeinte Ansätze scheitern. Die Frage, wie lange ein Heizgerät braucht, beantwortet eine einzige Formel. Die Aufheizzeit t ergibt sich aus: Wassermasse m (in kg), spezifische Wärmekapazität von Wasser c (4.186 J/kg·K), gewünschte Temperaturerhöhung ΔT (in Kelvin) und Heizleistung P (in Watt).
t = (m · c · ΔT) / P
Unser Leitungswasser kommt im Winter mit etwa 8–10 °C, im Frühjahr und Herbst mit 12–14 °C aus der Leitung. Nehmen wir 12 °C als realistischen Ausgangswert und eine Zieltemperatur von 22 °C – das ergibt eine nötige Temperaturerhöhung von 10 Kelvin. Für das Baptizo Grand (⌀ 185 cm) mit einem praktischen Füllvolumen von rund 1.500 Litern und einem handelsüblichen Tauchsieder mit 2.000 Watt gilt also:
t = (1.500 × 4.186 × 10) / 2.000 ≈ knapp 9 Stunden
Und das ist die reine Idealrechnung. In der Praxis kühlt das Becken gleichzeitig ab, die Heizleistung wird nicht dauerhaft erreicht (Wirkungsgrad), und die Umgebungsluft zieht Energie. Realistisch rechnet man eher mit dem 1,5-fachen – also bis zu 13 Stunden an Heizzeit. Der Vollständigkeit halber: Bei der Größe Original (⌀ 155 cm, ~1.050 L) wären es unter Idealbedingungen rund 6 Stunden, beim Baptizo Apostel (⌀ 215 cm, ~2.000 L) über 12 Stunden – jeweils vor Wärmeverlusten.
Der Gedanke liegt nahe, das Problem einfach mit mehreren Geräten gleichzeitig zu lösen. Dabei gilt jedoch: Ein haushaltsüblicher Stromkreis ist mit 16 Ampere abgesichert – das sind bei 230 Volt maximal rund 3.680 Watt. Wer mehrere Geräte in dieselbe Leitung hängt, löst entweder die Sicherung aus oder überhitzt die Leitung. Mehrere Geräte parallel zu betreiben bedeutet zwingend, mehrere separate Stromkreise zu nutzen – mit allem, was das an Verkabelung quer durch den Raum mit sich bringt.
#1 Wasserkocher und Tauchsieder
Wasserkocher funktionieren als absolute Notlösung – aber das war's auch. Kocher für Kocher befüllen, erhitzen, ins Becken leeren, wiederholen. Das bindet Personal über Stunden, und kochend heißes Wasser, das versehentlich auf die Folie geschüttet wird, kann diese dauerhaft schädigen.
Beim Tauchsieder kommt ein echtes Sicherheitsproblem hinzu: 230 Volt direkt im Wasser. Also bitte auf keinen Fall ein Billiggerät verwenden. Und: Ein Tauchsieder muss in der Mitte des Beckens „befestigt“ werden – rutscht er ab und sinkt auf den Boden, berührt er die Poolfolie und schmilzt diese sofort. Das Ergebnis ist im besten Fall ein Leck kurz vor der Taufe – im schlechtesten Fall ein kombiniertes Wasser-Strom-Problem mitten im Gemeinderaum.
Beide Varianten sind also nicht zu empfehlen – zumal das physikalische Problem der langen Aufheizzeiten, wie oben gezeigt, ohnehin gegen sie spricht.
#2 Gasheizer
Mobile Gasdurchlauferhitzer – wie sie etwa für Campingduschen im Außenbereich genutzt werden – haben wir auch schon als Lösung gesehen. Das Problem: Anders als beim Camping findet die Taufe mit unserem Konzept ja gerade auch in Innenräumen statt, und dort sollten Gasgeräte grundsätzlich nicht betrieben werden. Hinzu kommt die Lagerung der Gasflaschen, die aufwendig und gesetzlich geregelt ist. Das Baptizo ist bewusst leicht und unkompliziert gehalten – eine Gaslösung bringt am Ende des Tages also mehr Aufwand, nicht weniger.
#3 Wärmepumpen
Eine Pool-Wärmepumpe klingt effizient, modern und nachhaltig – in der Praxis zeigen sich jedoch für unseren Anwendungsfall klare Nachteile, die wir nicht verschweigen wollen.
Schon die Anschaffung ist nicht günstig: Einsteigermodelle beginnen bei 600 bis 800 Euro, nach oben gibt es kaum eine Grenze. Und eine Wärmepumpe allein reicht nicht – sie braucht eine Förderpumpe, Schläuche und Anschlüsse, um das Wasser aus dem Becken zu ihr hin und wieder zurückzuführen. Das macht sie alles andere als mobil: Diese Geräte sind eigentlich für den stationären Einbau gedacht, nicht für den robusten Gemeindealltag.
Dazu kommt die Arbeitsweise: Eine Wärmepumpe entzieht der Umgebungsluft Wärmeenergie und überträgt sie auf das Wasser. Das klingt clever – funktioniert aber nur so schnell, wie sich die Luft in der Nähe des Geräts immer wieder mit neuer Wärmeenergie austauschen kann. Bei kalten Umgebungstemperaturen wird das noch langsamer und die erwähnten Einsteigermodelle arbeiten dann besonders ineffizient. Das Ergebnis: Ihr müsst mindestens einen vollen Tag vorher starten – das System läuft die ganze Nacht durch. Pumpe, Schläuche und Wasserkreislauf laufen also viele Stunden unbeaufsichtigt. Gerade in Gemeindehäusern, Veranstaltungsräumen oder auf Bühnen ist das ein Risiko: Ein Schlauch, der sich löst, oder eine Verbindung, die nachgibt – über Nacht, wenn niemand vor Ort ist – kann erheblichen Schaden anrichten.
#4 Unsere klare Empfehlung
Wenn kein Warmwasseranschluss vorhanden ist, lautet unsere Empfehlung eindeutig: ein fest installierter elektrischer Durchlauferhitzer mit Starkstromanschluss. Das Wasser wird bereits beim Befüllen auf die gewünschte Temperatur gebracht. Keine stundenlange Heizphase, keine Zusatzpumpen, keine nächtliche Überwachung, kein Aufwand. Das Becken ist voll – und das Wasser hat direkt die richtige Temperatur.
Wir empfehlen Geräte mit einer Leistung zwischen 11,5 und 18 kW. Mit einem 13,5-kW-Gerät haben wir selbst sehr gute Erfahrungen gemacht. Ein praktischer Hinweis: In fast allen betreffenden Gebäuden ist zumindest ein Durchlauferhitzer in den Sanitäranlagen vorhanden – oft schlicht mit zu geringer Leistung. Sprecht zuerst euren Gebäudeverantwortlichen an und zieht dann gemeinsam einen lokalen Elektro- oder Sanitärbetrieb hinzu – zusammen kann dann schnell beurteilt werden, unter welchem Aufwand und mit welchen Kosten ein Austausch bei euch möglich ist. Der neue Erhitzer übernimmt dann weiterhin die Warmwasserversorgung im Alltag und bekommt nur zusätzlich die neue glorreiche Aufgabe bei der Taufe. Die Installationskosten liegen erfahrungsgemäß unter 600 Euro. Einmalig investieren – und das Thema Wassertemperatur ist für jede künftige Taufe gelöst.
Fazit
Warmwasser aus der Leitung? Perfekt – nutzt es. Kein Anschluss vorhanden? Dann investiert in einen fest installierten Starkstrom-Durchlauferhitzer. Einmalige Installationskosten, kein Aufwand danach und einfach zuverlässig bei jeder Taufe im Einsatz. Wasserkocher und Tauchsieder taugen allenfalls für echte Notlagen und Gasheizer in Innenräumen oder Wärmepumpen mit unbeaufsichtigtem Nachtbetrieb empfehlen wir ausdrücklich nicht.
Passend dazu: Falls ihr noch nicht gelesen habt, warum eine monatliche Taufe direkt im Gottesdienst so viel Kraft entfaltet – unser Artikel Erweckung durch mehr Taufen hat die Antworten.
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